Hier RAUCH t's gewaltig!

Rendezvous mit Heinz Wendel - das etwas andere Interview

Eigentlich wäre er gerne Rennfahrer geworden. Das Talent zur Spitze hat er im Kart-Sport eindrücklich bewiesen. "Es gibt nur Vollgas" ist sein Motto in allen Lebenslagen. Und damit hat sich der gelernte Fahrzeugtechniker mit Fleiß, Übersicht und besonderem Gespür für Mitarbeiter zu einem erfolgreichen und international beachteten Großunternehmer hochgeschraubt. Wo immer Gerhard Rauch Hand anlegt, gilt in kurzer Zeit: "Hier Raucht´s gewaltig!"

In seinem damals selbstentwickelten Kart war der aus einer Getränke-Dynastie stammende Gerhard Rauch in Sekunden von null auf hundert.
Aber er erkannte schnell, dass die Luft im Rennsport ganz oben dünn ist und entschied sich, einen Betrieb in Eigenverantwortung zur Höchstleistung anzukurbeln. Mit beispielhafter Dynamik und leidenschaftlichem Drang zu Wachstum hat er den mütterlichen Fahrzeugbau-Betrieb zur europaweit agierenden Walser-Gruppe ausgebaut und bewegt sich weiter auf Expansionskurs. Begonnen hat alles damit, dass der kleine Gerhard viel lieber in der Autowerkstatt seines Großvaters werkelte, als Früchte auszupressen. "Das hat mich fasziniert. Meine Mutter hat dies mit Wohlwollen erkannt und den Fahrzeugbau deswegen weitergeführt. Ich habe mein Handwerk zwar von der Pike auf gelernt, aber ich war nie der typische Handwerker, der zufrieden einen kleinen Betrieb führt.
Als ich eingetreten bin, waren wir ca. 15 Mitarbeiter - und mir war gleich klar, dass das nicht meine Welt sein konnte. Ein Jahr später haben wir schon im Industriegebiet gebaut - und ab diesem Zeitpunkt stand alles im Zeichen von Wachstum - heute sind wir bei 200 Mitarbeitern angekommen. In den letzten 20 Jahren haben wir uns verzehnfacht. Wachstum in dieser Größenordnung birgt natürlich auch seine Gefahren. Es gelingt nur mit guten Mitarbeitern, Strukturen müssen laufend angepasst und verbessert werden und auch mit Problemen und Stolpersteinen will gelernt sein umzugehen. Wenn man ein Ziel vor Augen hat - und das war bei mir ganz klar die Expansion - braucht man das optimale Team dafür. Das habe ich im Sport gelernt.
Es gibt nur Vollgas, sonst kommt man nicht weiter." Beim Rundgang durch die Firma wird mir erst bewusst, was Gerhard Rauch so eindrücklich geschildert hat. Fahrzeuge aller Art, soweit das Auge reicht.

Vom klassischen LKW-Aufbau in allen Variationen bis zu Kühltransportern, Kippern und Kranfahrzeugen (Palfinger-Vertretung) sowie Feuerwehrfahrzeugen jeglichen Typs reicht die Palette! Zum Betrieb gehören aber auch die größte markenneutrale PKW-Spenglerei und -Lackiererei in Vorarlberg. Wie kommt der innovative Geschäftsmann zum Bau von Feuerwehrautos? "Mein Großvater hat auch schon Feuerwehrautos gebaut. Mit Marte - diesen Betrieb haben wir nach einer Insolvenz übernommen - gab es damals ein Gentlemen´s Agreement. So kam es, dass wir uns auf den traditionellen Fahrzeugbau konzentriert haben und Marte auf den Feuerwehrbereich. So gesehen sind die Feuerwehren für Walser nicht ganz neu, sondern eher ein Zurück zu den Wurzeln".
In gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wird gemunkelt, dass selbst in Krisenzeiten an Expansion gedacht ist? "In der Schweiz ist Walser ja schon gut vertreten. Die Schweiz bezeichne ich heute genauso wie Vorarlberg und Liechtenstein als Heimmarkt, da haben wir schon seit Jahren eigene Standorte. Neu eröffnet haben wir unser Verkaufsbüro in Bozen für den italienischen Feuerwehrmarkt, der sehr interessant ist. Wir haben in letzter Zeit aber auch Verträge mit Partnern in Deutschland, in der Türkei oder in Norwegen, Schweden und Island abgeschlossen. Die skandinavischen Länder bieten uns großes Potential, so haben wir den größten Auftrag in unserer Unternehmensgeschichte im Vorjahr an die norwegische Armee liefern können. Über solche Aufträge können wir uns einen guten Namen machen."
Wo siehst Du Deine persönlichen Stärken?
"Ein wichtiges Erfolgsrezept für mich ist die richtige Hand für sehr gute Mitarbeiter, mit denen der nächste Schritt in die Zukunft gemacht werden kann. Ein Unternehmer braucht aber auch ein Gen mehr - Fleiß, Können und das berühmte Quäntchen Glück alleine reichen nicht aus. Es gehört auch das unternehmerische Gespür dazu. Ich habe immer die Herausforderung gesucht. Geld war nie meine Motivation, mich treiben meine Ziele an und die Freude am Erfolg meiner Arbeit."

Gerhard Rauch wollte nie leben wie die reichen Söhne und Töchter - und schon gar nicht im Schatten anderer stehen. Seine Vision war immer eine eigene, nein, seine eigene Leistung. Hat er denn bei diesem Arbeitsvolumen auch noch Zeit für Hobbys? "Da ist in den letzten Jahren viel auf der Strecke geblieben. Am liebsten nütze ich die Möglichkeiten im eigenen Ländle. Schifahren im Winter, Bootsausflüge im Sommer. Und dazwischen geht sich immer ein feines Essen und ein gutes Glas Wein aus."
Ende April öffnet Walser Fahrzeugbau seine Tore für die Öffentlichkeit. Da bin ich dabei. Sie auch?

Quelle: Motor-Freizeit Trends, Ausgabe 162 / 2010