Spezialist für Tunneleinsätze

Die FF Rankweil (Österreich) rückt aus, wenn es im Ambergtunnel auf der A14 gekracht hat. Spezielle Herausforderungen erfordern besondere Fahrzeuge. Mit dem neuen TLF1500/100T (Tunnel) nutzt die Feuerwehr dafür bereits die vierte Generation von Tunnel-Tanklöschfahrzeugen.

Mehr als drei Kilometer Länge, zwei Röhren, vier Fahrspuren: der Ambergtunnel auf der Rheintalautobahn A14 bei Feldkirch.
Seit 25 Jahren ist die Freiweillige Feuerwehr der Marktgemeinde Rankweil in Vorarlberg (1200 Einwohner) für den unfallträchtigen Tunnel zuständig. Zu den acht Einsatzfahrzeugen der Wehr gehörte bislang ein Tanklöschfahrzeug mit Allradantrieb (TLF-A) 2000/200) mit Tunnelausrüstung aus dem Jahr 1990 - in der Reihe der Tunneltalöschfahrzeuge bereits die dritte Generation.
Jetzt beschaffte die Feuerwehr Ersatz:
Ein TLF 1500/100 auf Volvo FL280 4x2.
Die Vorgaben waren: wendig, klein in den Fahrzeugabmessungen, ein Höchstmaß an Effizienz und Leistungsfähigkeit, einfachste Bedienung, geräumiger und ergonomisch gut zugänglicher Mannschaftsraum sowie Sonderausstattung für Tunneleinsätze. Schon der erste Blick auf das neue Fahrzeug lässt die kompakte Bauweise erkennen. So sind die Abmessungen außergewühnlich gering: Länge 6.300mm, Breite 2.440mm, Höhe 3.000mm, Radstand 3.500mm. Für den Aufbau sorgte die in Rankweil ansässige Firma Walser Fahrzeugbau.
Das Volvo-Fahrgestell ist mit 6-Gang-Automatikgetriebe mit Retarder, Luftfederung an der Hinterachse sowie einer Schleuderkettenanlage ausgestattet. Die Motorleistung liegt bei 206 kW (280 PS), die Gesamtmasse des Fahrzeugs beträgt 11.500 Kilogramm.
Ausschlaggebend für die Fahrzeugmarke war einerseits ein örtlicher Fahrzeughändler - mit den damit verbundenen kurzen Wegen beim Service - und andererseits das bei Vovlo serienmäßig eingebaute Automatikgetriebe. Alle anderen Hersteller bauen dieses nachträglich ein. Die Gesamtkosten von 450.000 Euro für das TLF inklusive Ausrüstung trugen die Marktgemeinde Rankaweil das Land Vorarlberg sowie die staatseigene Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFiNAG).

Mobiler CAFS-Löscher
Walser beließ die Fahrerkabine weitgehend im Originalzustand. Bedienelemente der Signalanlage und sonstige Features wurden in das Volvo-Bedienfeld mit originalen Schaltern eingearbeitet. Großen Wert legte die Feuerwehr auf eine Kommunikationsmöglichkeit während der Fahrt zwischen Gruppenkommandant und der Mannschaft. Dies ermöglichten die Konstrukteure durch einen Ausschnitt an der Rückwand der Volvo-Kabine. Ein Gummibalg verbindet die Fahrer- mit der Mannschaftskabine staub- und spritzwasserdicht.
Die im Aufbau integrierte Mannschaftskabine weist eine Innenhöhe von 1,80m auf. Sie ist über einen pneumatisch klappbaren Tritt gut zu betreten und bietet Platz für fünf Mann inklusive fünf Atemschutzgeräten (Interspiro). Auf Wunsch hat Walser Atemschutzsitze der Firma Bostrom (USA) eingebaut. Der Vorteil dieser Sitzte ist ein integriertes 3-Punkt-Rückhaltesystem, welches der Mannschaft größtmögliche Sicherheit bietet.
Der Atemschutztrupp muss nicht lange nach seinen Gerätschaften suchen. Wärmebildkamera (Bullard T4), Handfunkgerät (Motorolla Gp340), Rettungsleinen, Notrettungsset, Brandfluchthauben, Taschenlampen und Rückwegmarkierungsleinen stehen in der Mannschaftskabine in Halterungen zur Verfügung. Mit dem Schalter "am Einsatzort" in der Fahrerkabine ändert der Fahrer die Steuerung des TLF vom Fahrmodus in den Einsatzmodus: alle Rolläden der Geräteräume öffnen sich, das Fahrgestell senkt ab und die Arbeitsbeleuchtung schaltet sich ein.
Auf der linken Seite im vorderen Teil befindet sich als Besonderheit eine pneumatische Absenkung für den fahrbaren CAFS-Trolley (35 Liter Inhalt). "Den Trolley nutzen wir für den Brandschutz bei Verkehrsunfällen mit auslaufenden Betriebsstoffen, erklärt Fahrzeugwart Lukas Bauer. "Er kann schnell zur Einsatzstelle gebracht werden und verfügt über eine sehr gute Löschkraft. Außerdem deckt er alle Einsatzarten ab, bei denen andere Feuerwehren mit Kübelspritze oder Schaumlöscher vorrücken".
Im Heck befinden sich eine einstufige Feuerlöschkreiselpumpe von Jöhstadt sowie ein Schaumlöschsystem von Hale, bestehend aus dem vollautomatischen Druckmischsystem Foam Logix 3.3 sowie der Druckluftschaumzumischanlage CAFS-Attack. Die Feuerlöschkreiselpumpe hat eine Nennförderleistung von 2000 Liter pro Minute bei 10 bar.

Weniger Löschmittel als der Vorgänger
Im Unterschied zu vielen Feuerwehren in Österreich wurde auf ein Hochdruckteil verzichtet. "Die Rauchgaskühlung ist mit Hohlstrahlrohren genauso gut wie mit einem Hochdruckrohr", sagt Bauer. "Zusätzlich hat aber das Hohlstrahlrohr den besseren Vollstrahl, die Wasserdurchflussleistung kann der Trupp je nach Brandbekämpfungssituation anpassen. Außerdem muss das Schaumdruckzumischsystem nur auf eine Druckstufe (Niederdruck) ausgelegt werden."
Bei Bedarf kann über die Druckzumischanlage Netzmittel beigemischt und über jeweils einen
B-Abgang links und rechts sowie den formfesten Schnellangriff abgegeben werden. Die über den Pumpenstand eingebaute Schnellangriffshaspel enthält 60m formstabilen Druckschlauch (Nennweite 32mm), mit pneumatischer Rückspulung.
Im Unterschied zum Vorgängerfahrzeug fasst der Löschwassertank statt 2.000 nur 1.500 Liter und der Schaumtank (AFFF) statt 200 nur 100 Liter. "Unsere Statistik zeigt, dass 90% der Einsätze mit dem Löschwasser des TLF bekämpft werden können. Wenn dies nicht ausreicht, sind auch 2.000 oder 3.000 Liter zu wenig", mein Bauer. "Für 2012 ist die Beschaffung eines TLF8000 mit 500 Liter Class -A- und 500 Liter AFFF-Schaummittel geplant. Das TLF 1500/100 ist als Voraus-TLF für den Ersteinsatz gedacht".

An der Farhzeugfrontseite befinden sich spezielle Einrichtungen für den Tunneleinsatz.
Eine in der Stossstange fest eingebaute Wärembildkamera mit Monitor im Fahrerraum, Abstandssensoren zur Erkennung von Hindernissen im verrauchten Tunnel sowie zwei zusätzliche Xenon-Scheinwerfer.
Im gesamten Fahrzeug wurde bei der Beleuchtung auf LED-TEchnik gesetzt. Alle Leuchtkörper werden mit 24 Volt betrieben und können ohne Einspeisung über einen Generator beziehungsweise die Lichtmaschine des Motors eingeschaltet werden.
Im Mannschaftsraum geben die zwei beleuchteten Griffstangen Halt und zudem noch eine hohe  Lichtausbeute, ohne den Fahrer bei Nachtfahrt zu blenden. Zusätzliche Lichtbänder an der Decke beleuchten die Ablagen im Mannschaftsraum. Über das Standlicht und die Feststellbremse setzt sich die Geräteraumbeleuchtung in Betrieb. Kommt es im Ambergtunnel zu einem Brand, rücken von der FF Rankweil der Reihe nach aus:
Einsatzleitfahrzeug (ELF), TLF1500 Tunnel, Löschfahrzeug (LF) sowie Versorgungsfahrzeug (VF) mit Kettenfahrzeug LUF 60 (Löschunterstützungsfahrzeug) auf Anhänger. Im Falle eines technischen Einsatzes im Tunnel werden nach Alarm- und Ausrückordnung (AAO) folgende Fahrzeuge alarmiert:
ELF, Vorausrüstfahrzeug (VRF), TLF1500 Tunnel (Tanklöschfahrzeug Tunnel) und SRF (Schweres Rüstfahrzeug).

Quelle: Feuerwehr Magazin, August 2009